Let’s be safe at any place!

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen* und Mädchen* 2020
16 Tage gegen genderbasierte Gewalt

Das ist unser Anliegen und schließt an die Parole ‚re_claim the night – Wir fordern die Nacht zurück‘ an. Wir Frauen* und Mädchen* ziehen zur Abend- oder Nachtzeit laut und bunt durch die Straßen und fordern das Recht, uns im öffentlichen Raum, sowie in unserem zu Hause, am Tag und in der Nacht frei bewegen zu können. Wir wollen uns sicher fühlen und keine Angst haben müssen, Gewalt zu erfahren, sexuell belästigt, vergewaltigt oder ermordet zu werden.

Am 25. November ist der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen* und Mädchen. Mit diesem Tag beginnen die 16 Tage gegen geschlechtsbasierte Gewalt, welche am 10. 12. – dem internationalen Tag der Menschenrechte – enden. Anlässlich dessen rufen wir dazu auf, gemeinsam gegen Gewalt einzustehen, sich zu solidarisieren und zu unterstützen. Wir laden alle dazu ein, am 10. Dezember ab 17 Uhr an der Kundgebung an der Annasäule teilzunehmen. 2020 hat sich durch die COVID-19 Pandemie die Gefährdung drastisch verschärft: Von der Regierung wird soziale Distanzierung und Isolation eingefordert. Die Folge für von Gewalt betroffene Personen: Zum Einen eine noch engere räumliche Nähe zu Tätern, zum Anderen ein weiteres Erschweren von Flucht aus gewaltvollen Situationen und eine Zunahme von ökonomischer Abhängigkeit durch Verlust von Arbeitsplätzen. Darüber hinaus können öffentliche sowie autonome Gewaltschutzeinrichtungen nur eingeschränkt arbeiten.

Häusliche, sexualisierte, sexistische Gewalt und Femizide sind kein „Familiendrama“ und keine „Eifersuchtstat“ – diese Bezeichnungen schieben eine Individualisierung und Emotionalisierung in den Vordergrund und verschweigen, dass diese das Ergebnis eines Besitzdenkens und einesBesitzanspruchs gegenüber Frauen* und Mädchen* ist. Sie ist der Versuch, Macht und Kontrolle über uns auszuüben. Es geht um männliche Dominanz und Besitzansprüche, die tief in dieser Gesellschaft verwurzelt sind. Gewalt gegenüber Frauen* und Mädchen* soll klar und deutlich als das benannt werden, was sie ist: Ausdruck einer patriarchalen Gesellschaft, in der das, was als ‘männlich’ definiert ist, als Maßstab gilt und alles andere als ‘nicht-männlich’ und damit als unwichtig zu vernachlässigen, nicht der Rede wert ist.

Alleine im Jahr 2020 wurden in Österreich bisher 20 Frauen* getötet (Stand 2/11/20). 2019 waren es 39 Frauen, 2018 sogar 41, meistens wurde ihnen von ihren (Ex)Partnern* oder Familienmitgliedern das Leben genommen. Weitere 22 Frauen* (Stand 2/11/20) wurden dieses Jahr von ihren* (Ex-)Beziehungspartnern* so schwer verletzt, dass die Taten als ‚missglückte Tötungsversuche‘ zu werten sind. Es ist wichtig, das Problem Frauen*hass in aller Klarheit zu benennen! Wir sind bestürzt von der mangelnden politischen Reaktion auf die stetig hohen Zahlen an Tötungsdelikten im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt!

Wir kritisieren entschieden:

  • die sinkende Zahl von Verurteilungen bei steigender Anzahl von Anzeigen
  • die Kriminalisierung und Verdrängung von Armut und Obdachlosigkeit im öffentlichen Raum wie z.B. Bettel- und Nächtigungsverbote. (Besonders für wohnungslose Frauen*, für die es nur wenige sichere Anlaufstellen gibt, kann der Aufenthalt in belebteren Innenstadtbereichen ein Minimum an Sicherheit bedeuten.)
  • das Nicht-Ausschöpfen des vorhandenen Strafmaßes bei Verurteilungen, sowie die frühzeitigen Entlassungen aus Haftanstalten ohne jegliche Begründung
  • die sinkende Anwendung von Betretungsverboten, welche Betroffenen und Überlebenden von Gewalt räumlichen Schutz bieten können: Tirol hatte 2019 die Österreichweit niedrigste Quote von 6,8% Betretungsverboten im Gegensatz zu Wien mit 14,7%.
  • Betroffene und Überlebende von Gewalt erhalten nicht in jedem Bundesland das gleiche Maß an Schutz. Um das Recht jeder Person auf ein Leben frei von Gewalt bestmöglich zu gewährleisten, muss sichergestellt werden, dass jede Person, die Opfer von häuslicher Gewalt wird – unabhängig vom Wohnort – gleich gut geschützt ist!

Österreich hat sich 2013 – also vor 7! Jahren mit der Ratifizierung der Istanbul-Konvention verpflichtet, Schritte zu unternehmen, um Gewalt gegen Frauen* zu verhindern. Die Praxis schaut jedoch ganz anders aus: Gewaltschutz und Gleichstellungspolitik stehen weit oben auf der Kürzungsliste durch politische Sparprogramme!

Finanzierung: Österreich sorgt nicht dafür, dass bestehende Schutz- und Beratungsstrukturen ausreichend finanziert und weiter ausgebaut werden! Stattdessen werden feministischen Initiativen und Projekten, die genau dies zum Ziel haben, die Mittel gekürzt.

Sicherheit der Betroffenen: Österreich sorgt nicht dafür, dass eine Strafverfolgung der Täter* so abläuft, dass Opfern und Überlebenden von Gewalt die Sicherheit gewährleistet werden kann, ausreichend und auf sensible Weise vom Staat geschützt zu werden! Stattdessen gibt es populistisch motivierte Gesetzgebungen wie das 3. Gewaltschutzgesetz, durch welchem Frauen* und Mädchen* die Entscheidungshoheit über ihr weiteres rechtliches Vorgehen genommen wird.

Wir fordern:

  • Ein Ende der Gewalt an Frauen* und Mädchen!
  • Stärkung aller Hilfsangebote für von Gewalt betroffene Personen! (Frauenhäuser, Frauen– Notruf, Angebote für wohnungslose Frauen, Gewaltschutzzentren, Frauen* und Mädchenberatungsstellen, etc.)
  • Förderung von Projekten und Anlaufstellen zur Sensibilisierung und Gewaltprävention!
  • Konsequentes Vorgehen gegen Sexismus und Frauenhass, auf politischer, juristischer, ökonomischer, medialer und individueller Ebene!
  • Das Sichtbarmachen und Benennen struktureller patriarchaler Gewalt und die Anerkennung von Femiziden als gesellschaftliches Problem in Österreich!

Wir rufen dazu auf, gemeinsam gegen patriarchale Strukturen anzukämpfen, gemeinsam gegen jede Form von Gewalt in dieser Gesellschaft! Lasst uns sichere Räume für alle schaffen! Patriarchale Gewalt beenden! Let’s be safe at any place!

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