Internationaler Frauen*kampftag

Weil Solidarität das stärkste Instrument ist, das uns im Kampf für unsere Rechte zur Verfügung steht, nutzen wir den Frauen*kampftag, um uns gemeinsam Gehör zu verschaffen!

Der erste Frauen*tag wurde im Jahr 1908 von Frauen* der sozialistischen Partei Amerikas ins Leben gerufen: Sie gründeten ein nationales Frauen*komitee, welches den 28. Februar 1909 als ersten von vielen nationalen Kampftagen organisierte. Der große Erfolg der Aktion drang bis nach Europa durch und erhielt im Jahr 1910 große Aufmerksamkeit auf der II. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen. Besonders engagiert unterstützt wurde die Idee von Clara Zetkin und Käte Duncker, welche mit dem Slogan „Keine Frauenrechte, sondern Menschenrechte“ für den Frauen*tag warben. Im kommenden Jahr, 1911, fand der Frauen*tag schließlich schon in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA statt – mehr als eine Millionen Frauen* gingen auf die Straße. Das Datum des 8. März verfestigte sich letztlich im Jahr 1921: Auf der 2. Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen* wird in Moskau der 8. März als Internationaler Gedenktag eingeführt, um die tragende Rolle von Frauen* in der Februarrevolution zu würdigen. (vgl. www.internationalerfrauentag.at; Lexikon der Österreichischen Sozialdemokratie: www.rotbewegt.at)

Während der nationalsozialischen Diktatur wurde der Internationale Frauen*tag verboten und stattdessen der sogenannte Muttertag eingeführt. Doch auch nach 1945 blieb das Bild von der „Frau* als Mutter“ erhalten und der Internationale Frauen*tag wurde mehr als Frauen*feiertag denn als Tag der Kampf um Frauen*rechte begangen. Es ist den Bemühungen der neuen feministischen Bewegungen zu verdanken, die die Bedeutung des Tages als Ausdruck des Eintretens für Rechte und der Internationalen Frauen*solidarität, über alle unterschiedlichen Lebenserfahrungen und -realitäten hinweg, wieder betonten (vgl. ebd.).

Stand bei der Gründung des Frauen*tages vor allem das aktive und passive Frauen*wahlrecht im Fokus, sind die Themen heute mannigfaltiger Natur. Ein zentraler Punkt bleibt die ökonomische Situation von Frauen*, doch auch das Thema genderbasierter Gewalt oder Fragen der Repräsentation werden immer wieder aufgegriffen.

Neben öffentlichkeitswirksamen Aktionen gestaltet die F*V auch jedes Jahr mit Unterstützung der Stadt Innsbruck einen Leporello, welcher Veranstaltungen und Projekte rund um den Frauen*tag sammelt und gebündelt präsentiert. Exemplarisch für verschiedene Schwerpunkte der F*V sollen im Folgenden einige Schwerpunkte und Aktionen der letzten Jahre vorgestellt werden.

Geschlechtergerechte Berichterstattung in den Medien

„Medien und die von ihnen verwendete (Bild-)Sprache spielen eine wichtige Rolle in der öffentlichen Meinungsbildung. Sprache schafft Realität. Wir fordern geschlechtergerechte Sprache und Sensibilität bei der Wortwahl.“

Statement der F*V 2016

Im Jahr 2016 legte die F*V einen Schwerpunkt auf geschlechtergerechte Berichterstattung. Sie klagten Verwendungen des Wortes „Mädchen*“ als Schimpfwort, und Bezeichnung von Männern*, die Gewalt ausüben, als „Sex-Mob“ oder „Sittenstrolche“ an. Auch der Werbesexismus wurde thematisiert und die Kennzeichnung von Fotobearbeitung und Fotomanipulation bei Körperdarstellungen gefordert. „Schluss mit einseitigen Darstellungen von z.B. Mädchen und Frauen mit Behinderungen als mitleidsbedürftige Wohltätigkeitsempfängerinnen oder bewundernswerte Heldinnen. Schluss mit der bloßen Nennung des Vornamens, wenn über Frauen mit Behinderungen berichtet wird. Schluss mit der Darstellung von Opfern sexueller Gewalt als Mitschuldige. Schluss mit der Erzeugung von Vorurteilen gegenüber Flüchtlingen und Musliminnen. Schluss mit islamophoben Zuschreibungen und Gleichungen wie Muslimin = Kopftuchzwang und Terrorismus. Weg mit andauernd negativer und angstschürender Berichterstattung über Islam und Musliminnen und Flüchtlinge. Schluss mit hasserfüllter Sprache und Hetze.“1 (ebd.)

Stattdessen sollen mehr (Vor-)Bilder von starken, selbstbestimmten und verschiedenen Frauen* in der Öffentlichkeit verwendet werden, anstatt bestehende Klischees und Vorurteile fortzuschreiben. Auch insgesamt wurde eine Neubewertung des Nachrichtenwertes gefordert: Frauen*politische Themen müssten auch abseits von wirtschaftlichen und arbeitsmarktpolitischen Zusammenhängen als dringlich erachtet werden. Dafür braucht es eine geschlechtersensible Repräsentation von Frauen* in all ihrer Vielfalt: Statt männerbündischer Netzwerkstrategien sollte es transparente Karriere- und Aufstiegsmöglichkeiten für Journalist*innen auch mit Migrationshintergrund oder Behinderung geben. Andernfalls sollten einschlägigen Fördermittel wie Presse- oder Publizistikförderung gestrichen werden. Mit staatlichen Geldern müsste mehr Qualitätsjournalismus und Barrierefreiheit gefördert werden – Untertitelung und Gebärdensprache sollten dabei eine Selbstverständlichkeit sein. Die Forderungen der F*V für eine deutlich emanzipatorische Medienpolitik und eine Förderung kritischer feministischer Berichterstattung wurden auf Informationszetteln bei der Aktion im öffentlichen Raum verteilt und das Gespräch mit Passant*innen gesucht.

Für eine aktive Friedenspolitik

„Schluss mit den Menschenrechtsverletzungen durch den türkischen Staat an der kurdischen Bevölkerung und mit der Verfolgung und den Verbrechen gegen Frauen und Kinder in Syrien, im Irak, in Afghanistan oder anderen Krisen- und Kriegsgebieten.“

Offener Brief der F*V 2016

In einer Solidaritätsaktion verfasste die F*V im Frühjahr 2016 einen offenen Brief, in dem von politisch Verantwortlichen der Einsatz für eine aktive Friedenspolitik gefordert wurde. Diese Forderungen wurden auch auf der Demonstration zum Frauen*kampftag 2016 eingebracht. Thematisiert wurde die dramatische Verschlechterung der Menschenrechtssituation nach den Novemberwahlen in der Türkei, welche vor allem die Lebenssituation von Kurd*innen betraf. So wurden etwa kurdisch besiedelte Städte von türkischer Polizei und Spezialeinheiten der Armee belagert, demokratisch gewählte Bürgermeister*innen und Abgeordnete der HDP inhaftiert und zahlreiche Zivilist*innen ermordet worden. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International berichteten von Gewaltexzessen der türkischen Armee, massiven Zerstörungen von Städten und dem Verwehren des Zugangs zu Nahrung, Wasser, Strom und Medizin. Im offenen Brief warf die F*V der internationalen Staatengemeinschaft, der Europäischen Union und insbesondere Deutschland und Österreich vor, die Gräueltaten zu ignorieren und formulierten klare Forderungen: Die Entsendung von Beobachtungs- und Menschenrechtsdelegationen in die vom türkischen Militär belagerten Städte und das Aussetzen von finanzieller Unterstützung an den türkischen Staat. Politisch Verantwortliche der Bundesregierungen, EU-Abgeordnete, Nationalratsabgeordnete, Landesregierungen und Gemeinderatsmitglieder sollten sich aktiv für Menschenrechte und das Ende des Krieges gegen die kurdische Bevölkerung einsetzen.

Gegen die Instrumentalisierung von Frauen* für rassistische Hetze und rückwärtsgewandte Politik

Immer wieder war es in den vergangenen Jahren notwendig, sich von einer Instrumentalisierung von genderbasierter Gewalt für rassistische Hetze und den Missbrauch von Frauen* für reaktionäre Zwecke zu distanzieren. Der daraus resultierenden repressiven Sicherheits- und Grenzpolitik tritt die F*V mit Slogans wie „Unser Feminismus ist antirassistisch!“ oder „Grenzenlos feministisch – open borders!“ entschieden entgegen. Aus Protest gegen die reaktionäre (Frauen*)Politik in Österreich ging im Jahr 2018 eine Gruppe von Demonstrant*innen am 8. März Streckenabschnitte rückwärts – bekleidet in gelben Westen die beschriftet waren mit „Sicherheit durch Solidarität“ (Produkte einer ArchFem Aktion 2017).

Feministischer Frauen*streik

Weltweit finden immer wieder eindrucksvolle Streiks und Aktionen von Frauen* statt. Feministische Streiks sind politische, soziale und ökonomische Proteste, die an der Arbeitsstelle, zu Hause und auf der Straße stattfinden können. Frauen*streiks haben auch in Österreich Geschichte: Im Jahr 1893 wurde der erste Frauen*streik, der „Streik der 700“, von der siebzehnjährigen Amalie Ryba initiiert. Den Arbeiterinnen* aus vier Appreturfabriken gelang es nach nur zwei Wochen ihre Forderungen durchzusetzen: Die Arbeitszeit wurde auf zehn Stunden pro Tag verkürzt, ein Mindestlohn bewilligt und der 1. Mai als arbeitsfreier Tag anerkannt. Ein weiterer Meilenstein im Frauen*protest wurde am 19. März 1991 gelegt, dem ersten internationalen Streik am Weltfrauen*tag. Allein auf der Wiener Ringstraße demonstrierten rund 20.000 Frauen*. Sie forderten das Wahlrecht, das Recht auf Bildung und Arbeit, gleichen Lohn, soziale Sicherheit und Frieden (vgl. Statement der F*V zum Feministischen Frauen*streik 2020).

Auch international schlagen Frauen*streiks regelmäßig Wellen: Erst im letzten Jahr nahmen eine halbe Million Menschen am Schweizer Frauen*streik teil. Die Forderungen, die der Schweizerische Gewerkschaftsbund am 14. Juni 2019 formulierte, umfassten eine finanzielle Aufwertung und höhere gesellschaftliche Anerkennung von Frauen*arbeit, mehr Zeit und Geld für Betreuungsarbeit (Care-Arbeit) und Bekämpfung von Sexismus und sexueller Belästigung.

Gründe für einen Frauen*streik gibt es auch in Österreich zur Genüge: Die Frauen*-Teilzeitquote (48%) zählt hierzulande zu den höchsten in der EU, was sich in einer bis zu zwei Drittel geringeren Alterspension niederschlägt. Bei der gemeinsamen Betrachtung bezahlter und unbezahlter Arbeit wird deutlich, dass Frauen* im Durchschnitt mehr Arbeit leisten als Männer* – und unterm Strich weniger verdienen. Doch auch in anderen Lebensbereichen hat Frau*sein zahlreiche Konsequenzen: So erfahren viele Frauen* nicht nur am Arbeitsplatz sexualisierte Belästigung und Gewalt – ganz zu schweigen von den Nuancen und Grautönen der alltäglichen Unterschätzung, des Belächelns oder der Erniedrigung. Der Anteil von Frauen*morden an allen Tötungsdelikten ist in Österreich zudem der höchste in der EU. Die Situation von rassistisch diskriminierten Frauen*, queeren Frauen*, trans* Frauen*, oder Frauen* mit Behinderung ist oftmals noch viel prekärer.

So vielfältig wie die Gründe sind auch Möglichkeiten und Formen des Streiks: In Sexstreiks, Gebärstreiks, Konsumstreiks, Lächelstreiks oder Streiks für feministische Inhalte in der Bildung wird das Unbehagen und der Widerstand gegen ökonomische und soziale Ungerechtigkeiten ausgedrückt. Neben der Lohnarbeitsniederlegung oder dem Bummelstreik könnte Frau* etwa in Hausarbeits- und Versorgungsstreik treten, die überproportional von Frauen* verrichtet wird. Noch schnell die Spülmaschine ausräumen, Abendessen vorbereiten, Kinder füttern, wickeln oder vom Kindergarten abholen, die Älteren pflegen, an die Familiengeburtstage erinnern und Geschenke besorgen? Am Streiktag nicht. Damit soll nicht nur eine soziale und gerecht geteilte Verantwortung für Sorgearbeit gefordert werden, sondern diese in ihrer gesellschaftlich notwendigen Funktion auch neu besetzt werden. Eine solche Care-Revolution würde im Dienste aller Menschen stehen.

In Innsbruck wurde der Montag nach dem Frauen*kampftag 2020 genutzt, um eine feministische Streikkultur anzuregen: „Gegen eine konservative, rassistische und antifeministische Politik, gegen die Ausbeutung von unbezahlter und unsichtbarer Sorgearbeit, gegen die Lohnschere, prekäre Arbeitsbedingungen, sexualisierte Gewalt, Diskriminierung und Unterdrückung! Wir wollen Gleichberechtigung und Selbstbestimmung für alle Menschen und uns nicht weiter von patriarchalen und kapitalistischen Strukturen unser Leben, unser Begehren, unser Arbeiten, unser Aussehen vorgeben lassen!“, so die F*V in ihrem öffentlichen Aufruf (vgl. ebd.). Mit Informationsmaterialien, Redebeiträgen und Gesprächsrunden wurde über Gründe für den Frauen*streik, Aktionsformen und rechtliche Rahmenbedingungen informiert. Aus den Vorbereitungen heraus bildete sich ein eigenes Streikkomitee, welches die Vernetzung mit Gruppen in Österreich sowie international sucht.

Anmerkung

1 Erklärung der unterschiedlichen Schreibweisen: Im Jahr 2019 wurde das Asterisk (Sternchen) in die Schreibweise der F*V eingeführt. Bei Zitaten aus Originaltexten verwenden wir jedoch die zu dem jeweiligen Zeitpunkt verwendete Schreibweise der Vernetzung.

Autor:innen

Mar_ry Anegg, Alena Klinger und Annali Lustig sind Teil des Koordinationsteams der F*V.