re_claim the night

Wir fordern die Nacht zurück!

So heißt die Parole in Anlehnung an die Protestmärsche, die seit 1976 weltweit von Frauen* durchgeführt werden. Wir Frauen* und Mädchen* ziehen zur Abend- oder Nachtzeit laut und bunt durch die Straßen und fordern das Recht, uns im öffentlichen Raum, sowie in unserem zu Hause, am Tag und in der Nacht frei bewegen zu können, ohne Angst haben zu müssen, Gewalt zu erfahren, sexuell belästigt, vergewaltigt oder ermordet zu werden.

Nirgendwo in Europa ist der Frauen*anteil unter den Mordopfern höher als in Österreich. Gewalt gegenüber Frauen* und Mädchen* soll endlich als das benannt werden, was sie ist: Ausdruck der patriarchalen Gesellschaft.Häusliche, sexualisierte, sexistische Gewalt und Femizide sind kein „Familiendrama“ und keine „Eifersuchtstat“, sondern drücken Besitzdenken und vermeintlichen Besitzanspruch gegenüber uns Frauen* und Mädchen* aus, den Versuch, Macht und Kontrolle über uns auszuüben. Es geht um männliche Dominanz und Besitzansprüche, die tief in dieser Gesellschaft verwurzelt sind.
Alleine im Jahr 2018 wurden in Österreich 41 Frauen* getötet und 130 weitere versucht von ihren (Ex-)Beziehungspartnern* zu töten. Es ist wichtig, das Problem Frauen*hass in aller Klarheit zu benennen.Wir sind bestürzt von der politischen Reaktionslosigkeit gegenüber der stetig steigenden Zahl an Tötungsdelikten im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt!Ebenso kritisieren wir entschieden

  • die sinkende Zahl von Verurteilungen bei steigender Anzahl von Anzeigen,
  • die Kriminalisierung und Verdrängung von Armut und Obdachlosigkeit im öffentlichen Raum wie z.B. Bettel- und Nächtigungsverbote. (Besonders für wohnungslose Frauen*, für die es nur wenige sichere Anlaufstellen gibt, kann der Aufenthalt in belebteren Innenstadtbereichen ein Minimum an Sicherheit bedeuten.)
  • das Nicht-Ausschöpfen des vorhandenen Strafmaßes bei Verurteilungen,
  • sowie die sinkende Anwendung von Betretungsverboten, welche Opfern und Überlebenden von Gewalt räumlichen Schutz bieten können: Tirol hat die Österreichweit niedrigste Quote von 5,9% Betretungsverboten im Gegensatz zu Wien mit 14,3%.
    Opfer und Überlebende von Gewalt erhalten nicht in jedem Bundesland das gleiche Maß an Schutz. Um das Recht jeder Person auf ein Leben frei von Gewalt bestmöglich zu gewährleisten, muss sichergestellt werden, dass jede Person, die Opfer von häuslicher Gewalt wird – unabhängig vom Wohnort – gleich gut geschützt ist!

Österreich hat sich vor 5! Jahren mit der Ratifizierung der Istanbul-Konvention verpflichtet, Schritte zu unternehmen, um Gewalt gegen Frauen* zu verhindern.
In der Praxis: Gewaltschutz und Gleichstellungspolitik stehen weit oben auf der Kürzungsliste durch politische Sparprogramme!

  • Österreich sorgt nicht dafür, dass bestehende Schutz- und Beratungsstrukturen ausreichend finanziert und weiter ausgebaut werden!
    -> Stattdessen werden feministischen Initiativen und Projekten die Mittel gekürzt.
  • Österreich sorgt nicht dafür, dass eine Strafverfolgung der Täter* so gestaltet wird, dass Opfern und Überlebenden von Gewalt die Sicherheit gewährleistet werden kann, ausreichend und auf sensible Weise vom Staat geschützt zu werden!
    -> Stattdessen gibt es populistisch motivierte Gesetzesentwürfe wie das 3. Gewaltschutzgesetz, durch welchem Frauen* und Mädchen* die Entscheidungshoheit über ihr weiteres rechtliches Vorgehen genommen wird.

Wir fordern:

  • Ein Ende der Gewalt an Frauen* und Mädchen*!
  • Stärkung aller Hilfsangebote für von Gewalt betroffene Personen! (Frauen*häuser, Frauen*-Notruf, Angebote für wohnungslose Frauen*, Gewaltschutzzentren, Frauen* und Mädchen*beratungsstellen, etc.)
  • Förderung von Projekten und Anlaufstellen zur Sensibilisierung und Gewaltprävention!
  • Konsequentes Vorgehen gegen Sexismus und Frauen*hass, auf politischer, juristischer,
    ökonomischer, medialer und individueller Ebene!
  • Die Sichtbarmachung und Benennung struktureller patriarchaler Gewalt und die Anerkennung von Femiziden als gesellschaftliches Problem in Österreich!

Wir rufen dazu auf, gemeinsam gegen patriarchale Strukturen anzukämpfen, gemeinsam gegen jede Form von Gewalt in dieser Gesellschaft! Lasst uns am 25.11. gemeinsam die Straßen zurückerobern, tanzend, laut, antirassistisch, antifaschistisch, solidarisch.
Lasst uns sichere Räume für alle schaffen! Patriarchale Gewalt beenden!

#25November #reclaimthenight #WirforderndieNachtzurück #takebackthenight #16TagegegenGewalt

Unterstützt von:
Frauen im Brennpunkt: www.fib.at
Frauenhaus Tirol: www.frauenhaus-tirol.at
ArchFem – Interdisziplinärer Raum für feministische Intervention: https://www.archfem.net
Die Tiroler Aktionistas* Frauen*volksbegehren: www.frauenvolksbegehren.at
ARANEA – Zentrum für Mädchen*arbeit: https://aranea.or.at
Verein Frauen gegen VerGEWALTigung: https://www.frauen-gegen-vergewaltigung.at
Frauenreferat der Diözese: https://www.dibk.at/Media/Organisationen/Frauenreferat
kinovi[sie]on: https://leokino.at/index.php?disp=kinovisieon
Lila Rot Kollektiv
Verein Lilith
Alevitisches Zentrum Innsbruck: https://www.innsbruck-aleviten.com/
Alevitisches Zentrum Jenbach: https://www.jenbach-aleviten.com/
Frauen aus allen Ländern: https://frauenausallenlaendern.org
BASIS Frauenservice und Familienberatung Außerfern: www.basis-beratung.net
Mobile Außenstelle Innsbruck vom Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen: http://www.netzwerk-frauenberatung.at
DOWAS für Frauen-Durchgangsort für wohnungs- und arbeitssuchende Frauen: https://www.dowas-fuer-frauen.at
Verein Netzwerk Geschlechterforschung: http://netzwerkgeschlechterforschung.wordpress.com